WISSEN · CARVE-OUT

IT-Carve-out: Systeme aus dem Konzern lösen.

Wenn ein Geschäftsbereich verkauft, ausgegründet oder übergeben wird, muss die IT mit. Ein Carve-out trennt Systeme, die über Jahre verwachsen sind, so voneinander, dass der neue Teil eigenständig läuft. Dieser Beitrag zeigt Auslöser, Trennlinien, Risiken und den Weg bis in den Betrieb.

03 BEITRAG · TRANSFORMATION
01GRUNDLAGEWAS EIN CARVE-OUT IST

Was ein Carve-out ist.

Ein IT-Carve-out ist das Herauslösen eines Teils der IT aus einem größeren Verbund, sodass er ohne die alte Muttergesellschaft läuft. Über die Jahre teilen sich Bereiche im Konzern Systeme, Datenbanken, Verträge und Betriebsmannschaften. Was im Alltag praktisch war, wird zum Problem, sobald ein Teil eigene Wege gehen soll.

Ein Carve-out ist mehr als eine Migration. Bei einer Migration zieht ein System von einem Ort an einen anderen um. Beim Carve-out muss zuerst sauber getrennt werden, was zusammengewachsen ist, bevor überhaupt etwas umziehen kann. Erst wird geschnitten, dann gebaut, dann betrieben. Genau in dieser Reihenfolge arbeiten wir, und dasselbe Team bleibt von der Trennung bis in den Betrieb.

02AUSLÖSERWANN ES NÖTIG WIRD

Typische Auslöser.

Ein Carve-out steht selten am Anfang einer Planung. Meist ist er die technische Folge einer unternehmerischen Entscheidung, die längst gefallen ist. Die häufigsten Auslöser sind:

  • Der Verkauf eines Geschäftsbereichs, der beim Käufer ohne die alten Konzernsysteme ankommen muss.
  • Die Ausgründung einer Einheit, die als eigenständiges Unternehmen weiterarbeiten soll.
  • Eine Nachfolge, bei der ein Teil des Unternehmens in neue Hände übergeht.
  • Die Trennung von einer Muttergesellschaft, deren Infrastruktur nicht mehr genutzt werden kann oder soll.

In all diesen Fällen tickt eine Uhr. Häufig gibt es einen befristeten Übergangsvertrag, im Fachjargon Transitional Service Agreement, in dem die alte Muttergesellschaft die Systeme noch eine Weile weiterbetreibt. Dieser Zeitraum ist die eigentliche Frist. Bis dahin muss der herausgelöste Teil eigenständig laufen.

Wie lang dieser Zeitraum ausfällt, hängt am Verflechtungsgrad. Deloitte beziffert die Laufzeit von IT-Übergangsverträgen in der Beratungspraxis auf acht bis zwölf Monate und merkt an, dass sie bei komplexer Systemtrennung auch länger ausfallen kann. Als Planungsgröße ist das brauchbar, als Zusage nicht. Was in Ihrem Fall gilt, steht in Ihrem Vertrag und nirgendwo sonst.

Zeitachse eines Carve-outs gegen den auslaufenden Übergangsvertrag. Der Umschalttag muss mit Puffer vor dem Vertragsende liegen. CLOSING ENDE ÜBERGANGSVERTRAG ÜBERGANGSVERTRAG 8 BIS 12 MONATE TYPISCH 01 BILD IST-ZUSTAND 02 SCHNITT VIER FELDER 03 AUFBAU UMGEBUNG 04 PROBE WIEDERANLAUF PUFFER NACHZIEHER UMSCHALTTAG EIGENSTÄNDIGER BETRIEB AB UMSCHALTTAG
Abb. 01Der Übergangsvertrag setzt die Frist, nicht der Umschalttag. Die Achse ist schematisch, die Abschnitte stehen für die Reihenfolge und nicht für ihre Dauer. Der Puffer am Ende ist der Teil, der in Planungen zuerst gestrichen wird.
03TRENNLINIENWAS ZU TRENNEN IST

Was zu trennen ist.

Am Anfang steht ein klares Bild vom Ist-Zustand, denn was unbekannt ist, lässt sich nicht sauber schneiden. Wer sich vorab einen groben Überblick verschaffen möchte, kann den Systemaudit-Selbsttest nutzen. Getrennt werden dann vier Felder:

  • Die Daten, die dem herausgelösten Teil gehören, sauber abgegrenzt von allem, was beim alten Eigentümer bleibt.
  • Die Schnittstellen zu Systemen, die nicht mitkommen, ersetzt durch eigene Anbindungen oder Übergangslösungen.
  • Die Verträge mit Anbietern, Lizenzen und Diensten, die neu geschlossen, übertragen oder abgelöst werden müssen.
  • Der Betrieb selbst, also Zugänge, Zuständigkeiten und das Wissen, das den laufenden Dienst am Leben hält.
Die vier Trennlinien eines IT-Carve-outs: Daten, Schnittstellen, Verträge und Betrieb, jeweils vom Verbund in die Eigenständigkeit. VORHER · IM VERBUND SCHNITT NACHHER · EIGENSTÄNDIG 01 DATEN Gemeinsame Datenbanken und Berechtigungen. Eigener Bestand Sauber abgegrenzt von allem, was bleibt. 02 SCHNITTSTELLEN Direkte Anbindung an Systeme des Konzerns. Eigene Anbindung Oder eine Übergangslösung auf Zeit. 03 VERTRÄGE Lizenzen und Dienste auf den Konzern. Neu oder übertragen Die Übertragung braucht Zustimmung. 04 BETRIEB Geteilte Mannschaft und geteilte Zugänge. Eigene Zuständigkeit Zugänge, Wissen und Bereitschaft.
Abb. 02Die vier Trennlinien. Derselbe Schnitt läuft durch alle vier Felder, und keines lässt sich ohne die anderen abschließen. Die Zeile Verträge ist die einzige, die von einem Dritten abhängt.

Jedes dieser Felder hat Fallstricke. Daten hängen oft an gemeinsamen Datenbanken, deren Trennung Zeit braucht. Schnittstellen sind selten vollständig dokumentiert. Und der Betrieb lebt von Menschen, die nach dem Schnitt vielleicht nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Verträge verdienen eine eigene Erwähnung, weil ihr Fallstrick ein rechtlicher ist. Wird ein Bereich als Ganzes ausgegliedert, greift die Ausgliederung nach § 123 Absatz 3 Umwandlungsgesetz, und die zugeordneten Rechtsverhältnisse gehen mit über. Wird dagegen einzeln übertragen, was der übliche Fall ist, dann hängt jede Schuldübernahme nach § 415 BGB von der Genehmigung des Gläubigers ab. Auf gut Deutsch: Ihr Anbieter kann Nein sagen. Deshalb gehört die Vertragsliste an den Anfang und nicht ans Ende.

04RISIKEN UND BEGLEITUNGBIS IN DEN BETRIEB

Risiken und Begleitung.

Die größten Risiken eines Carve-outs sind bekannt und lassen sich beherrschen, wenn man sie früh benennt:

  • Datenverlust oder unvollständige Übernahme, wenn die Abgrenzung zu grob erfolgt.
  • Betriebsunterbrechung, wenn eine Schnittstelle am Umschalttag doch noch gebraucht wird.
  • Vergessene Abhängigkeiten zur alten Muttergesellschaft, die erst nach Ablauf des Übergangsvertrags auffallen.
  • Lizenz- und Vertragslücken, die den weiteren Betrieb rechtlich angreifbar machen.
  • Neue Sicherheitslücken durch die frisch aufgesetzte Umgebung, die vor dem Start belegt gehören.

Gegen den dritten und den fünften Punkt hilft dasselbe Mittel: ein geprobter Wiederanlauf vor dem Umschalttag statt danach. Wie weit man das Thema treiben kann, beschreibt das BSI im Standard 200-4 für das Business Continuity Management. Für einen Carve-out genügt meist die kleine Fassung, also einmal alles abschalten und wieder hochfahren, bevor es zählt.

Ein früher Ausstieg aus dem Übergangsvertrag ist dabei kein Selbstzweck. Deloitte weist darauf hin, dass er die Abhängigkeit von der Gegenseite beendet und dass einmalige Vertragsstrafen für eine vorzeitige Beendigung meist zu hoch gewichtet werden, gemessen am Wert der wiedergewonnenen Handlungsfreiheit.

Deshalb prüfen wir die neue Umgebung vor dem Start und weisen ihre Belastbarkeit nach, auf Wunsch mit einem eigenen Penetrationstest. Wir begleiten den Carve-out in der Position Carve-out und Migration von der Trennung über den Aufbau der eigenen Umgebung bis zum ersten eigenständigen Betriebstag. Danach hört die Verantwortung nicht auf. Auf Wunsch übernehmen wir den laufenden Betrieb mit Servicevereinbarung weiter, damit der neue Teil nicht ohne Rückhalt startet.

Fazit

Ein Carve-out ist beherrschbar, wenn er in der richtigen Reihenfolge angegangen wird: erst das klare Bild, dann die Trennung von Daten, Schnittstellen, Verträgen und Betrieb, dann der eigenständige Start unter geübten Bedingungen. Der Zeitdruck kommt meist von einem befristeten Übergangsvertrag, deshalb lohnt sich ein früher Beginn. Weitere Antworten zu Verträgen und Datenhaltung stehen im Bereich Wissen. Für ein konkretes Vorhaben ist ein Erstgespräch der richtige erste Schritt.

05QUELLENPRIMÄRQUELLEN

Worauf sich das stützt.

06WEITERLESEN04 BEITRÄGE

Weitere Beiträge.

07KONTAKTMÜNCHEN

Carve-out
sicher planen.

Antwort in zwei Werktagen, mit einem konkreten Vorschlag zum weiteren Vorgehen.

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